EDITORIAL “Granma” (26.1.2012)
IN den letzten Tagen haben Pressemedien und Vertreter einiger Regierungen, die sich traditionsgemäß mit der Subversion gegen Kuba verbünden, eine neue Kampagne von Vorwürfen ausgelöst, wobei sie skrupellos ein bedauerliches Ereignis ausnutzen: den Tod eines gemeinen Gefangenen, was vielleicht nur im Fall von Kuba zu einer Nachricht von internationaler Bedeutung wird.
Die benutzte Methode ist dieselbe wie immer. Es wird erfolglos versucht, sie kraft der Wiederholung durchzusetzen, um Kuba zu verteufeln, in diesem Fall ausgehend von einer absichtlichen Manipulation eines in unserem Land, im Gegensatz zu anderen, höchst ungewöhnlichen Ereignisses.
Der sogenannte „politische Gefangene” verbüßte nach einem fairen Verfahren, während dem er in Freiheit war, und einer Verurteilung gemäß dem Gesetz eine Strafe von vier Jahren Freiheitsentzug, weil er seine Frau brutal und in der Öffentlichkeit geschlagen, die Polizisten angegriffen und sich gewaltsam der Festnahme widersetzt hatte.
Dieser Mann starb an einem mehrfachen Organversagen in Verbindung mit einem schweren septischen Prozess der Atemwege, obwohl er jede erforderliche medizinische Betreuung erhalten hatte, einschließlich der Medikamente und der spezialisierten Behandlung auf der Intensivpflegestation des wichtigsten Krankenhauses von Santiago de Cuba.
Warum waren verschiedene Behörden Spaniens und der Europäischen Union schnell dabei, Kuba zu verurteilen, ohne überhaupt zu versuchen, sich über das Thema zu informieren? Warum benutzen sie immer und im Voraus die Lüge, wenn es um Kuba geht? Warum zensieren sie die Wahrheit, außer dass sie lügen? Warum wird der Stimme und der Wahrheit Kubas, ohne sich zu verstellen, selbst der kleinste Raum in den internationalen Medien verweigert?
Es wird mit großem Zynismus und mit doppelter Moral gehandelt. Wie würden sie die Polizeibrutalität bezeichnen, die sich in jüngster Zeit in Spanien und im größten Teil des „gebildeten und zivilisierten Europa” gegen die Bewegung der „Empörten” gezeigt hat?
Wer hat sich über die dramatische Situation der Überbelegung in spanischen Gefängnisse Sorgen gemacht, unter deren Gefängnisinsassen sich ein sehr hoher Anteil von Immigranten befindet, die laut dem letzten verfügbaren Bericht der Gefängnisgewerkschaft ACAIP, vom 3. April 2010, über 35 % aller Gefangenen im Land ausmachen? Wer hat sich darum bemüht, den Tod, im Juli 2011 im Gefängnis von Teruel, Spanien, von Tohuami Hamdaoui zu untersuchen, einem gemeinen Gefangenen marokkanischer Herkunft, der sein Leben nach einem Hungerstreik verlor, der mehrere Monate dauerte? Wer hat davon berichtet, dass sich der Gefangene als unschuldig erklärte?
Hat der chilenische Sprecher, der uns verleumdet, indem er behauptet, der Verstorbene wäre ein politischer Dissident gewesen, der 50 Tage im Hungerstreik war, vielleicht sein Gedächtnis und seinen Realitätssinn verloren? Er muss noch Erinnerungen an seine Tage als Studentenführer haben, als Verbündeter der Putschisten Pinochets, die sein Volk massakrierten und durch den „Plan Cóndor” das Verschwinden von Personen und die Folter auf den ganzen Süden des Kontinents ausbreiteten. Aber es sind keine Erklärungen über die brutale Unterdrückung der Studierende bekannt, die friedlich in Verteidigung des Menschenrechtes auf kostenlose und Hochschulbildung demonstrierten. Gehört er wohl zu denen, die in den Schulbüchern die Diktatur in Militärregime umtaufen wollten? Hat er sich wohl über das unterdrückende und willkürliche Antiterroristische Gesetz geäußert, das gegen die Mapuchen des Hungerstreiks angewendet wird?
Nicht fehlen konnte in dieser Kampagne die Regierung der Vereinigten Staaten, Hauptinitiator jeder Anstrengungen, um Kuba zu diskreditieren, mit dem einzigen Ziel, ihre Politik der Feindseligkeit, Subversion und der wirtschaftlichen, politischen und medialen Blockade gegen das kubanische Volk zu rechtfertigen.
Die Heuchelei der Sprecher der Vereinigten Staaten ist beeindruckend, eines Landes, das einen armen Rekord in Sachen Menschenrechte innehat, sowohl innerhalb des Landes, als in der Welt. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat anerkannt, dass in jenem Land täglich schwerwiegende Verletzungen der Menschenrechte erfolgen. Das sind Verletzungen der Rechte der Frau, Personenhandel, Rassendiskriminierung und Diskriminierung ethnischer Minderheiten, die unmenschlichen Bedingungen in den Gefängnissen, die Schutzlosigkeit der Gefangenen, ein unterschiedliches Rassenmuster und die häufigen Fehlurteile bei der Verhängung der Todesstrafe, die Hinrichtung Minderjähriger und geistig Behinderter, der Missbrauch des Systems der Abschiebehaft, die Toten an der militarisierten Südgrenze, die abscheulichen Handlungen gegen die Menschenwürde und die Ermordung unschuldiger Opfer der Zivilbevölkerung durch die Truppen der US-Armee im Irak, in Afghanistan, Pakistan und anderen Ländern, und die willkürlichen Festnahmen und die Folterungen im illegalen Gefangenenlager des widerrechtlich besetzten Militärstützpunktes von Guantánamo.
Es ist kaum bekannt auf der Welt, dass im November 2011 in den Vereinigten Staaten drei Menschen inmitten eines massiven Hungerstreiks in Gefängnissen Kaliforniens starben. Nach Zeugenaussagen der in den benachbarten Zellen untergebrachten Häftlinge, leisteten die Wärter keinerlei Hilfe, und ignorierten sogar vorsätzlich ihre Hilfeschreie, im Unterschied zu ihrem widerrechtlichen Brauch, die Streikenden einer Zwangsernährung zu unterziehen.
Wochen vorher war der Afroamerikaner Troy Davis hingerichtet worden, trotz der reichlichen Beweise für den Justizfehler, ohne dass das Weiße Haus oder das State Department etwas unternommen hätten.
In den Vereinigten Staaten sind von Januar 2010 bis zur jetzt 90 Gefangene hingerichtet worden, während 3.222 Häftlinge im Todeskorridor auf ihre Hinrichtung warten. Ihre Regierung unterdrückt emsig mit Brutalität diejenigen, die es wagen, die Ungerechtigkeit des Systems anzuklagen.
Dieser neue Angriff gegen unser Land hat eine offene politische Absicht, die nichts mit einer legitimen Sorge um das Leben der Kubanerinnen und Kubaner zu tun hat. Mit der Komplizenschaft der Finanz-Medienreiche wie der Gruppe Prisa und derjenigen, die CNN auf Spanisch leiten, wird im besten Stil der Mafias von Miami gegeißelt. Auf irrationale Weise wird die Regierung Kubas angeklagt, die beschuldigt wird, ohne dass die Realität der Tatsachen auch nur minimal untersucht worden wäre. Es wird zuerst verurteilt und, wenn überhaupt, danach beurteilt.
An diesem Fall ist zu ersehen, dass weder die Behörden, die sich sofort und ungeschickt auf diese Tatsache bezogen, noch der Apparat, der im Dienst der Medienaggression gegen Kuba steht, sich die Mühe machten, die Information wenigstens zu hinterfragen. Die Wahrheit ist unwichtig, wenn es darum geht, ein falsches Bild sogenannter offenkundiger und systematischer Verletzungen der Freiheiten in Kuba künstlich zu fabrizieren und zu verkaufen, das eines Tages eine Intervention rechtfertigt, mit dem Ziel, „wehrlose zivile Kubaner” zu beschützen.
Die Absicht, ein diabolisches Meinungsschema aufzuzwingen, ist eindeutig. Es zielt darauf ab, eine merkliche Verschlechterung der Situation der Menschenrechte in Kuba zu zeigen, eine angeblich „zu Opfern gewordene Opposition, die in den Gefängnissen stirbt” zu konstruieren, wo ihr sogar der Zugang zur gesundheitlichen Behandlung versagt wird.
Die ganze Welt kennt die humanistische Berufung unserer Ärzte und des medizinischen Personals, das nicht an Anstrengung spart noch an den knappen Ressourcen, die dem Land zur Verfügung stehen — in großem Maße wegen der kriminellen Blockade, unter der unser Volk seit mehr als 50 Jahren leidet —, um Leben zu retten und das Gesundheitsniveau seines Volkes und vieler anderer in allen Teilen der Erde zu erhöhen.
Kuba genießt die Achtung und Bewunderung der Völker und vieler Regierungen, die ihr soziales Werk auf der Insel und in der Welt anerkennen.
Die Tatsachen besagen mehr als die Worte. Die antikubanischen Kampagnen werden weder die kubanische Revolution noch ihr Volk beeindrucken, das ständig seinen Sozialismus perfektioniert.
Die Wahrheit Kubas ist die eines Landes, wo der Mensch das Wertvollste ist: eine mittlere Lebenserwartung bei der Geburt von 77.9 Jahren; eine kostenlose Gesundheitsversorgung für sein gesamtes Volk; eine Säuglingssterblichkeitsrate von 4.9 auf tausend Lebendgeborene, eine Zahl, die US-amerikanische Standards übertrifft und die niedrigste auf dem Kontinent ist, etwas niedriger als die Kanadas; eine gesamte Bevölkerung, die alphabetisiert ist und vollen kostenlosen Zugang zu allen Bildungsebenen hat ; eine Wahlbeteiligung von 96 % an den Allgemeinen Wahlen des Jahres 2008, ein demokratischer Prozess der Diskussion der wirtschaftlichen und sozialen Leitlinien, der dem 6. Parteitag voranging.
Die Wahrheit Kubas ist die eines Landes, das seine Universitäten und Schulen in die Strafvollzugsanstalten gebracht hat, in denen die Gefangenen angemessen und unparteiisch verurteilt wurden, für ihre Arbeit den gleichen Lohn erhalten und über ein hohes Niveau medizinischer Betreuung ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, des Glaubens oder der sozialen Herkunft verfügen.
Einmal mehr wird bewiesen sein, dass die Lüge, so oft sie auch wiederholt wird, nicht unbedingt zur Wahrheit wird, denn, wie Martí sagt, „kann ein gerechtes Prinzip von den Tiefen einer Höhle aus mehr zuwege bringen, als eine Armee”.
