Hugo Chávez: Was bisher noch nicht gesagt wurde

hugo1954_2013von Emanuel Tomaselli

Kaum ein Kommentar oder Nachruf schafft es das Phänomen Chávez zu fassen. Wo Aufklärung Not täte, werden Fakten verschwiegen. Wo politikwissenschaftliche Denkkategorien an der Dynamik einer Revolution scheitern, werden Stereotypen bedient. Ganz zu schweigen von der unverhohlenen Schadenfreude einiger Kommentatoren – der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho hat sie getrost als „geistige Armut“ bezeichnet.

Was aber steckt tatsächlich hinter dem Hype um den verstorbenen venezolanischen Präsidenten? Eine Antwort darauf gab unmittelbar nach Chávez´ Tod eine junge Frau im venezolanischen Fernsehsender Telesur: „Wir waren ausgeschlossen. Als Frau, als Mutter, Als Arbeiterin. Jetzt habe ich Macht. Wir wissen, dass wir mehr wert sind als Gold. Chavez hat uns aus einem Alptraum erweckt, und jetzt sind wir wach. Liebe, Gesundheit, Hoffnung das bleibt uns für immer. Und wir sind jetzt ein gebildetes Volk. Nie wieder lassen wir die Oligarchie zurück an die Macht, den Sozialismus im 21. Jahrhundert werden wir von nun an alleine aufbauen.“

In der Tat liegt das Ausmaß der Trauer um den Comandante zunächst einmal in den materiellen sozialen Errungenschaften seiner Präsidentschaft begründet. Zur Erinnerung einige Zahlen: Der Anteil der Armen in der venezolanischen Gesellschaft ist zwischen 2002 und 2011 von 48,6 % auf 29,5 % gesunken. Dies ist die schnellste Reduktion von Armut, die in Lateinamerika je gemessen wurde, und stellt alle anderen Politkonzepte in den Schatten. Der Gini-Koeffizient, ein Maßstab für Einkommensungleichheit ist im Vergleichszeitraum massiv gefallen und stellt heute mit 0,41 den niedrigsten Wert ganz Lateinamerikas dar. In der vom Londoner Legatum-Institut abgefragten Lebenszufriedenheit der Bevölkerung kommt Venezuela auf einer Skala von 1-10 auf einen Wert von 7,5 – deutlich über dem globalen Durchschnitt von 5,5.

Alphabetisierung, Zugang zu medizinischer Versorgung auf höchstem Niveau, Bildungs- und Stipendienprogramme für alle Altersgruppen, ein massives Wohnbauprogramm, Frauenrechte, Mitbestimmungsstrukturen in Betrieb und Wohnvierteln, die historische Aussöhnung mit der indianischen Urbevölkerung, die Liste der Reformen ließe sich fortsetzen.

Weiterlesen auf derfunke.at

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s