Grußbotschaft aus dem westlichen Nachbarland

Sämiloscinco5Liebe Freundinnen und Freunde von Cuba,

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir Österreich der unbekannteste Nachbar ist, und das geht wohl der Mehrheit der Schweizer so.
Umso mehr begrüße ich die Initiative der ÖKG, dieses Treffen zu organisieren. Es scheint mir so wichtig, dass wir als Cuba-Freundinnen und –Freunde uns besser kennenlernen und von den Bedingungen wissen, unter denen wir in den verschiedenen Ländern unsere Solidaritätsarbeit leisten, und wir nicht den Klischees verfallen, die uns durch die Massenmanipulationsmedien aufgedrängt werden.

Persönlich durfte ich das letztes Jahr auf wunderbare Weise mit Serbien erleben – dank der Cuba-Solidarität! In London durfte ich erfahren, wie stark sich Gewerkschaften zu Cuba bemerkbar machen können, wenn sie nur wollen und wie konsequent sich belgische Freundinnen und Freunde für die Fünf Kubaner engagieren.
Umgekehrt möchte ich wissen, was ein Hilferuf von Cuba-Freunden aus der Ukraine bedeutet und was ich da machen kann – oder was es heißt, sich im Polen von Lechz Valuta mit einem Che-T-Shirt durch die Straßen zu bewegen.

Als Schweizer wird es manchmal fast unerträglich – wo ich auch hinkomme – Assoziationen mit Banken auszulösen – mit Milch und Schokolade ginge ja noch…
Aber das passiert mir selbst in Cuba! Und dort spüre ich sogar stille Sympathie für unser kleines, angeblich so „friedliebendes, neutrales und demokratisches“ Land. Es braucht dann jeweils einigen Aufwand, um dieses Zerrbild etwas zu korrigieren. Gerne möchte ich das auch hier an dieser Stelle tun.

Formal gäbe es da ja einiges, das durchaus als demokratisch bezeichnet werden kann. Insbesondere auf Gemeindeebene können durchaus basisdemokratische Entscheide zustande kommen. Auf kantonaler und nationaler Ebene werden die „richtigen“ Volksentscheide jedoch mit Millionenkampagnen herbeigeführt. In schöner Regelmässigkeit wird uns da vermittelt, das „Erfolgsmodell Schweiz“ und seine Wirtschaft würden zusammenbrechen, wenn die Vorlage zu soziale Züge aufweist.
Gleichwohl kann es ab und zu vorkommen, dass das Volk „falsch“ entscheidet. Dann wird im bürgerlich dominierten Parlament geschaut, dass auf Gesetzesebene alles richtig läuft für Wirtschaft und Hochfinanz.
Es gilt zu wissen, dass es auch in der reichen Schweiz versteckte Armut und Obdachlose gibt, und dass doch tatsächlich 1:99 gilt; d.h. ein Prozent von superreichen Personen aus aller Herren Länder soviel besitzen wie die andern 99 Prozent zusammen. Höchst interessant, wenn ausgerechnet der Herr Bundespräsident
unseres nördlichen Nachbarn – also der, der mal christliche Nächstenliebe studiert hatte und dann später den Volksbesitz der DDR an solche Investoren und Oligarchen vergauckelte oder verschacherte – uns bei einem Staatsbesuch auf die Gefahren von direkter Demokratie aufmerksam macht. Aber sein Besuch bei der Schweizer
Regierung wickelte sich in herzlichster Atmosphäre ab, schließlich haben ja beide denselben Auftrag: einerseits die Interessen dieses einen Prozentes sicherzustellen und andererseits den Unmut in den Bevölkerungen bestmöglichst unter Kontrolle zu halten.

Was mir persönlich zu schaffen macht: ob ich will oder nicht, wir in der Schweiz sind die größten Wirtschaftskriegsgewinnler, profitieren direkt oder indirekt vom Unrecht auf dieser Welt. Für Menschen mit Gewissensbildung kann das nur heissen: Laut sagen was ist, d.h. Unrecht öffentlich beim Namen nennen. Und sich zu engagieren, für Cuba, für ALBA, für soziale Gerechtigkeit und Frieden auf der ganzen Welt.

In diesem Sinne danke ich Euch Freundinnen und Freunde von der OeKG, dass Ihr uns diese Begegnung ermöglicht, in der wir voneinander lernen und mit der wir uns im Einsatz gegen das imperiale Monster stärken können, verbunden natürlich mit der herzlichen Gratulation zu Eurem Jubiläum!

Viva Cuba – viva la Solidaridad internacionalista!

Samuel Wanitsch
Nationale Koordination
Vereinigung Schweiz-Cuba
Wien, 11. April 2014

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