Peso Cubano heißt die künftige kubanische Währung

cuban-peso-685x342Die Pläne zur Überwindung der Doppelwährung sind erarbeitet und werden Schritt für Schritt umgesetzt

von Jörg Rückmann (aus: Cuba Sí-Revista 2-2014)

Wann und wie? Diese beiden Fragen bewegen die Kubaner derzeit am meisten: Es geht um die Etablierung des Peso Cubano (Moneda nacional, CUP) als einheit­liche Währung für Kuba – und somit um das Ende der Zweitwährung CUC (innerhalb ­Kubas konvertibler Peso). Beschlossen wurde dieses Vorhaben bereits in den Leitlinien des 6. Parteitages 2011. Zwei Jahre später, im Juli 2013, kündigte Raúl Castro vor der Nationalversammlung den ­Beginn der Währungsreform an; im Oktober 2013 erarbeitete die kubanische Regierung dann einen Zeitplan und beschloss erste Maßnahmen.

Legalisierung des US-Dollars 1993

Ein kurzer Rückblick: 1993 legalisierte die kubanische Regierung den US-Dollar als Zweitwährung und schuf im darauffolgenden Jahr den CUC. 1995 öffneten landesweit die Cadecas (Wechsel­stuben).

Diese finanzpolitischen Maßnahmen waren von Anfang an für eine begrenzte Zeit geplant. Notwendig wurden sie durch den Zusammenbruch der sozia­listischen Staaten in Europa 1989/1990 und die Auf­lösung ihrer Wirtschaftsorganisation RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) 1991. Kuba gehörte dem RGW seit 1972 an, rund 85 Prozent seiner Ökonomie waren in die Planung und Arbeitsteilung des RGW eingegliedert.

Die Folge: Importe aus den sozialistischen Ländern blieben aus, Kubas Betriebe standen still. Der Staat musste aber weiterhin Löhne zahlen, was die im Umlauf befindliche Geldmenge – ohne einen produzierten Gegenwert – schnell vergrößerte.

Nicht vergessen werden darf, dass in dieser schwierigen Situation für Kuba die USA ihre Blockade gegen das sozialistische Land auf Drittstaaten ausweitete (1992: Torricelli-Gesetz, 1996: Helms-Burton-Gesetz).

Anfang der 90er Jahre, so schätzen kubanische Ökonomen, existierten rund 500 Millionen US-Dollar Bargeld in den kubanischen Haushalten, mit denen unter der Hand Waren des täglichen Bedarfs, Lebensmittel und Dienstleistungen gekauft wurden. Wie weit das Währungssystem bereits aus den Fugen geraten war, zeigen auch die rasant steigenden Wechselkurse dieser Jahre. Für einen US-Dollar mussten 1992 über 30 CUP, 1993 bis zu 80 CUP auf dem Schwarzmarkt bezahlt werden.

Das war die ökonomische Situation, in der sich die kubanische Regierung entschloss, den Besitz des US-Dollars zu legalisieren. Ziel war einerseits, die sich im Umlauf befindlichen Devisen für die kuba­nische Wirtschaft nutzbar zu machen, andererseits musste das Währungssystem stabilisiert werden. Um diese Aufgaben zu bewältigen, wurde 1997 die Zentralbank Kubas (Banco Central de Cuba, vormals Nationalbank, Banco Nacional de Cuba) gegründet.

Drei Währungen

Mit der Legalisierung des US-Dollars wurde gleichzeitig seine Einziehung als Zirkulationsmittel sowie die Einführung des CUC (Wert: ca. 1 US-Dollar) beschlossen. Dies betraf ­zunächst die Geschäftswelt und die staatlichen Institu­tionen. Ab 1994 ersetzte der CUC als Zahlungsmittel – für Touristen, aber auch für die Bevölkerung zum Erwerb importierter Waren – schritt­weise den Dollar. Die ersten Cent-Münzen des CUC gelangten als Wechselgeld bei der Zahlung mit US-Dollar in Umlauf und wurden von der Bevölkerung „Chavito“ genannt.

Die Kubaner jonglierten nun mit drei Währungen. Diese Phase dauerte bis zum Oktober 2004; ab diesem Zeitpunkt war der US-Dollar als Zirkulationsmittel nicht mehr zulässig.

Auswirkungen der „Dolarización“

Die Eröffnung von Devisenläden schuf in der schwierigen Zeit der „Spezialperiode“ erst einmal Erleichterungen für die Bevölkerung. Für die kuba­nische Ökonomie begann eine Phase der Erholung, das ­Finanzsystem stabilisierte sich. Der Staat gewann Schritt für Schritt die Kontrolle über die im Land ­vorhandenen Devisenmengen sowie über den Umtausch von Dollar in CUC zurück. Der Wechselkurs des CUC zum CUP stabilisierte sich ab 1996 um die auch heute noch gültige Marke von 1:25.

Die lange Existenz einer Parallelwährung brachte aber auch große Probleme mit sich. Immer mehr Produkte wurden nur noch für CUC verkauft; gleichzeitig reduzierte die Regierung das Libreta-Angebot (subventionierte Produkte der Grundversorgung). Aus diesem Grund versuchten und versuchen viele Kubaner, eine Arbeit im Tourismus zu ergattern oder Taxi zu fahren, um an die begehrten CUCs zu kommen. Die hier erzielten Einnahmen übersteigen die regulären kubanischen Gehälter in Peso Cubano oft um ein Vielfaches.

Es kursieren sehr unterschiedliche Zahlen, wieviel Prozent der kubanischen Bevölkerung CUC im Portemonnaie haben, man spricht von 60 bis 75 Prozent. Nach offiziellen Angaben kommen jedes Jahr Devisen im Wert von rund 2,6 Milliarden US-Dollar ins Land, dazu noch einmal Sachwerte in Höhe von 2,5 Milliarden (2012). So sind durch den Besitz oder Nichtbesitz von Devisen – nicht durch bessere oder schlechtere Arbeit – größere soziale Unterschiede entstanden, wie sie Kuba bisher nicht kannte.

Raúl Castro bemängelte in einer viel beachteten Rede im Juli 2013, „wie in den mehr als 20 Jahren der Spezialperiode moralische und gesellschaftliche Werte wie Ehrlichkeit, Anstand, Schamgefühl, Würde, Aufrichtigkeit und Feingefühl gegenüber den Problemen anderer in wachsendem Maße verkommen sind“. Er bezeichnete die Doppelwährung als „eines der bedeutendsten Hindernisse für den Fortschritt der Nation“.

Schwierigkeiten brachte die Doppelwährung auch auf der großen Bühne der Ökonomie. Staat­liche Betriebe, Banken und der kubanische Staat ­arbeiteten intern mit einer Umrechnung von 1:1 zwischen CUP und CUC/US-Dollar. Dies war einerseits ­eine interne Überbewertung des Peso Cubano, weil Betriebe Dollar-Investitionen beim Staat 1:1 in CUP bezahlen konnten. Andererseits mussten sie mit den erwirtschafteten Devisenerlösen (auch in Joint Ventures) die Gehälter 1:1 in CUP bezahlen. Die Folge war ­eine Abnahme der Leistungsbereitschaft der Betriebe; auch der Anreiz zu exportieren oder Importe durch kubanische Produkte zu ersetzen, war gering.

Des Weiteren können die Beschäftigten bis heute ihre CUP-Gehälter bei den Cadecas nur zu einem Kurs von 1:25 in CUC umtauschen. Das bedeutet: Abwertung des Peso Cubano für die Bevölkerung, geringe Kaufkraft und abnehmende Leistungsbereitschaft der Werktätigen.

Diese insgesamt vertrackte Situation machte es für den Staat, aber auch für die Betriebe schwierig, korrekte Berechnungen von Produktionszahlen und Rentabilität vorzunehmen oder präzise Haushaltspläne zu entwerfen. „Beide Währungen“, schreibt der kubanische Ökonom Ariel Terrero, „spiegeln nicht den Wert wider, was historisch die kubanische Währung gewesen ist.“ (Bohemia Nr. 23/año 105)

Erste Schritte der Währungsreform

Der Plan für die Abschaffung der Doppelwährung steht. Oberstes Ziel: Es soll keine harten Einschnitte für die Kubaner geben, außerdem garantiert der Staat die Spareinlagen seiner Bürger.

Die ersten Schritte der Währungsreform werden im Bereich der Wirtschaft umgesetzt. Die Planungshoheit über diesen Prozess übt die Unternehmensaufsicht OSDE (Organizaciones Superiores de Dirección Empresarial) aus.

Die Betriebe werden ausschließlich mit dem Peso Cubano agieren. Durch diese Vereinheitlichung wird es wieder möglich sein, Betriebsvermögen, hergestellte Produkte und Rentabilität korrekt zu bewerten. Es werden einheitliche Buchhaltungsrichtlinien eingeführt, Leitungskader geschult, und die Banken werden mit einem erweiterten Kreditangebot Betriebe in die Lage versetzen zu investieren.

Staatsbetriebe können fortan 50 Prozent des Betriebsgewinns behalten und reinvestieren. Das neue Gesetz über Auslandsinvestitionen und die damit ­erarbeitete Liste der Investitionsprojekte in Kuba werden helfen, staatliche Betriebe zu modernisieren und sie ohne Subventionen weiterzuführen.

Auch die Bevölkerung kann schon die ersten Schritte der Währungsumstellung erleben. Bereits im März hat die Regierung die Gehälter der Mitarbeiter des Gesundheitswesens massiv angehoben. Weitere Berufsgruppen werden folgen.

Ab Mai wurde begonnen, in allen Provinzen des Landes einige Verkaufsstellen so zu organisieren, dass die Kunden sowohl in Peso Cubano als auch in CUC ­bezahlen können – allerdings noch zum offiziellen Wechselkurs (1:25). Aber die Menschen können nun mit Peso Cubano auch Produkte erwerben, die vorher fast nur für CUC erhältlich waren.

Die Vereinheitlichung der Währung wird über ­eine Annäherung der Wechselkurse erfolgen. Für die Unternehmen wird der Peso Cubano abgewertet. Sie müssen jetzt eine höhere CUP-Summe für einen CUC bzw. Dollar ausgeben (vormals 1:1). Das bedeutet höhere CUP-Ausgaben z.B. beim Materialeinkauf oder bei Investitionen – aber auch höhere CUP-Einnahmen beim Verkauf ihrer Produkte. Dies erhöht den Anreiz, Produkte für den Export herzustellen oder Importe durch kubanische Produkte abzulösen.

Neue Wechselkurse werden schon jetzt in den unterschiedlichen Unternehmensformen und Branchen, für einzelne Produkte sowie beim Export und Import angewendet und bewegen sich in einer Spanne von 1:4 bis 1:12. Die neuen Transportgenossenschaften z.B. können Benzin und Ersatzteile für ihre Fahrzeuge zu einem Kurs von 1:10 beziehen.

Für die Bevölkerung steht mit einem neuen Wechselkurs eine Aufwertung des Peso Cubano bevor. Bis zur Einführung einer einheitlichen Währung werden die Kubaner weniger Peso Cubano für einen CUC ausgeben müssen. Kubanische Ökonomen rechnen damit, dass sich der Wechselkurs für die Bevölkerung bei 1:8 bis 1:12 einpendeln wird.

Ziel des gesamten Prozesses ist: Der Wert des ­Peso Cubano soll steigen, und langfristig soll die ­kubanische Währung konvertibel werden.

Der „Tag Null“

Mit dem Startschuss für die Währungsreform begannen – nicht nur in Kuba – die Spekulationen, wann dieser „Tag Null“ („Día zero“) der Währungsumstellung sein wird. Sicher ist, die kubanische Regierung wird auch hier schrittweise vorgehen. Zuerst werden Betriebe und staatliche Institutionen mit der neuen Währung arbeiten, dann wird es eine Phase der Überprüfung geben, bevor auch für die Bevölkerung der neue Peso Cubano alleiniges Zahlungsmittel in Kuba ist. Für diesen „Día zero“ schwirren mehrere Termine durch die Medien, so z.B. der 1. Januar 2016. Andere glauben, dieser Tag käme schneller, als von einigen erwartet.

Um Spekulationen mit den beiden Währungen zu vermeiden, informiert der kubanische Staat über alle Schritte, die bezüglich der Währungsreform geplant und umgesetzt werden. Dennoch tauscht so mancher Kubaner aus einem Gefühl der Unsicherheit ­heraus seine gesparten Peso Cubano oder seine CUC derzeit in ausländische Währungen um.

Sicher auch, um diese Tauschgeschäfte und Spekulationen nicht ausufern zu lassen, hat die kuba­nische Regierung bis heute noch kein konkretes Datum für das Ende der CUC-Ära genannt.

Risiken des Prozesses

Die Schaffung einer einheitlichen Währung wird nicht alle Probleme der kubanischen Ökonomie mit einem Schlag lösen. Aber die positiven Effekte werden überwiegen. Vor allem wird Kuba in finanzpo­litischen Fragen wieder souveräner agieren können. Doch der Prozess wirft natürlich viele Fragen auf und birgt auch einige Risiken.

Zunächst einmal wird dieser bedeutende finanzpolitische Schritt in einer intensiven ökonomischen Umbruchphase des Landes organisiert.

Wird die kubanische Wirtschaft stark genug sein, den Gegenwert für die zu erwartende größere Geldmenge zu produzieren? Besteht die Gefahr einer ­Inflation, die kommende Lohnerhöhungen und die Steigerung der Kaufkraft wieder zunichte macht?

Kuba ist zudem wie nie zuvor in seiner Geschichte in den internationalen Handel eingebunden – und damit auch anfälliger für Krisen. So wirkte sich die Wirtschaftskrise, die 2007 in den Industriestaaten begann, auch auf Kuba aus.

Wird das Land nach dem „Día zero“ in der Lage sein, allen internationalen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen und auch Devisenreserven anzulegen? Wird die neue kubanische Währung die Funktionen des Geldes wieder erfüllen können – als Wertmaßstab, als Zahlungs- und Zirkulations­mittel, als Mittel zur Wertbewahrung? Und wird sie eines Tages tatsächlich als Zahlungsmittel im internationalen Handel anerkannt sein?

Tatsache ist: Für eine starke Währung muss die kubanische Ökonomie auf sicheren Füßen stehen. Die Leitlinien des Parteitages haben die Staatsbetriebe als das Hauptmodell der nationalen Wirtschaft bezeichnet. Deshalb ist deren Stärkung eine der wichtigen Aufgaben. Auf der Ministerratssitzung am 28. Juni wurde auf 124 Unternehmen hingewiesen, die derzeit mit Verlust arbeiten. Hinzu kommt, dass gut zwei Drittel aller Gewinne von lediglich vier Prozent der Unternehmen erarbeitet werden. Meist sind diese Unternehmen Joint Ventures. Und so fragen sich viele Kubaner, wie die unrentabel arbeitenden (Staats-)Betriebe die Zeit nach dem „Día zero“ meistern werden?

Zu Beginn des Jahres 2014 hat Kuba seine ausländischen Investoren wegen der nun eingeleiteten Währungsreform um zwei Jahre Zahlungsaufschub gebeten. Werden die internationalen Geldgeber diesen Weg mit Kuba gemeinsam gehen?

Auch „auf der Straße“ diskutieren die Menschen ihre Erwartungen, Sorgen und Befürchtungen. Wie wird zukünftig die soziale Unterstützung organisiert, wenn es z.B. die Libreta, wie schon angekündigt, ­eines Tages nicht mehr geben wird? Wie werden sich die Lebensmittelpreise entwickeln? Werden Theater, Kino und Konzerte weiter subventioniert? Bedeuten höhere Löhne wirklich auch eine höhere Kaufkraft? Werden die in den vergangenen Jahren entstandenen sozialen Ungleichheiten geringer?

Großen Anklang wird die Abschaffung des CUC vor allem bei jenen Kubanern finden, die bisher kaum Zugang zu Devisen hatten. Denn die politische Botschaft der Regierung lautet: Die neue kubanische Währung wird jene sein, in der auch bisher schon die Löhne und Gehälter der arbeitenden Menschen gezahlt wurden – der Peso Cubano.

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