„Wer mit Gewalt herrscht, besitzt keine Glaubwürdigkeit, sondern sät nur Schrecken“

Hayde_LopezÖsterreicherInnen und in Österreich lebende MigrantInnen organisieren sich, um den Angehörigen der 43 verschwundenen Studierenden Unterstützung zu zeigen, deren angebliche sterbliche Überreste an der Universität Innsbruck untersucht werden, und um gegen die systematischen Menschenrechtsverletzungen in Mexiko zu protestieren.

Wien (14.11.2014) – Nach der Ermordung von sechs Personen und dem Verschwinden von 43  Mitgliedern der Pädagogischen Landschule “Raúl Isidro Burgos” in Ayotzinapa in Guerrero, Mexiko, am 26. September durch die Polizei, ist die politische Lage im Land aufgeheizt. Vergangenen Freitag erklärte der Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam in einer Pressekonferenz, dass die angeblichen Überreste der Studierenden auf einer Müllhalde im Bezirk Cocula gefunden worden waren. Die Untersuchungen stützen sich auf die Erklärungen dreier Verhafteter, die angebliche Mitglieder der kriminellen Organisation „Guerreros Unidos“ sind, der die Polizei die Studierenden übergab. Laut ihren Angaben waren einige der Studierenden bereits tot als sie ihnen übergeben wurden, während sie den übrigen das Leben nahmen, um sie im Anschluss auf die Müllhalde zu werfen und zu verbrennen. Um Spuren zu verwischen, wurden die verkohlten Überreste in Müllsäcke gefüllt und in einen nahegelegenen Fluss geworfen. Von den gefundenen sterblichen Überresten können nur zwei Knochen verwendet werden, um die Verschwundenen zu identifizieren, so die Stellungnahme des Generalstaatsanwalts.

Innsbruck als Zentrum der Aufmerksamkeit des Falles Ayotzinapa

In derselben Pressekonferenz wurde bekanntgegeben, dass die gefundenen Überreste von GerichtsmedizinerInnen der Universität Innsbruck untersucht werden sollen. Die Angehörigen betonten, dass sie den Erklärungen der mexikanischen Behörden nicht glauben, da staatliche Einheiten und Verbrecherbanden kollaboriert hatten, um die Studenten verschwinden zu lassen, so wie vom Staatsanwalt von Guerrero später bestätigt wurde, dass lokale Polizeieinheiten auf die Opfer geschossen hatten. Auch die Aussage eines überlebenden Studenten der Ereignisse des 26. Septembers bestätigen die Involvierung der Polizei in das Verbrechen: „Ich bin sicher, dass es die Absicht der Polizei war, uns das Leben zu nehmen, uns umzubringen.“ Die Eltern der Verschwundenen ließen verlauten, dass sie nur auf die Ergebnisse der von ausländischen Experten durchgeführten Untersuchungen vertrauen. Aus diesem Grund ist die DNA-Analyse, die in Innsbruck durchgeführt wird, von entscheidender Wichtigkeit für die Angehörigen.

Gewalt hat in Mexiko System

Ayotzinapa ist kein Einzelfall. In Mexiko ist die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, sei es von Seiten des Staates oder von kriminellen Organisationen, systemisch. Allein auf der Suche nach den 43 Verschwundenen wurden sechs illegale Massengräber in Guerrero gefunden. Auch diese Tote sind Opfer der Gewalt. Unter dem Vorwand des „Drogenkriegs“, der 2006 ausgerufen wurde und seit 2008 aktiv von den USA über die „Mérida-Initiative“ unterstützt wird, ist die Gewalt im ganzen Land gestiegen und wendet sich immer mehr gegen die Zivilbevölkerung. Der UN-Sonderberichterstatter Christof Heyns bestätigte im April dieses Jahres, dass zwischen 2006 und 2012 102.696 Morde begangen worden waren, von denen 98 Prozent nicht geahndet wurden. Amnesty International dokumentierte, dass in derselben Zeitspanne über 26.000 Personen verschwunden worden waren. Trotz des Regierungswechsels 2012, übt auch der derzeitige Präsident Enrique Peña Nieto keine andere Politik aus. So beauftragte er während seiner Amtsperiode als Gouverneur des Bundesstaats Mexiko, dass 2006 Demonstrierende in San Salvador Atenco gewaltsam geräumt wurden, mit dem Resultat von zwei Ermordeten, 146 willkürlichen Festnahmen und 25 Vergewaltigungen.

Weltweite Proteste gegen die mexikanische Regierung

Aufgrund dieser Vorfälle, der Unterlassungen und der langsamen Untersuchungen der Behörden, entflammten viele Proteste, nicht nur in Mexiko, sondern über die Erdkugel verstreut, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass die mexikanische Gesellschaft eine humane Tragödie durchlebt, in der die derzeitigen Machthaber  eine Schlüsselrolle spielen. „Wer mit Gewalt herrscht, besitzt keine Glaubwürdigkeit, sondern säet nur Schrecken. Wir haben diese willkürlichen Politiken satt, die die Würde der mexikanischen BürgerInnen nicht respektieren und sie dazu zwingen in einem konstanten Angstzustand zu leben“, so Ana Herrera, mexikanische Aktivistin in Österreich. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Verschwundenen, aber auch bei all den anderen Opfern dieses sinnlosen Krieges“, Herrera weiter. Auch in Österreich hat sich Protest gegen die mexikanische Regierung und das in Ayotzinapa begangene Verbrechen formiert. Seit Wochen demonstrieren ÖsterreicherInnen und  in Österreich lebende MigrantInnen, die sich als “Kollektiv Solidaritätsaktion mit Mexiko – Österreich“ zusammengeschlossen haben,  immer wieder vor der mexikanischen Botschaft, um den Betroffenen Unterstützung zu zeigen.

Nach den jüngsten Ereignissen, wird nun auch in Innsbruck mobilisiert, wo am Montag den 17. November um 12 Uhr ebenfalls eine Mahnwache abgehalten werden wird. „In diesen schweren Zeiten für die mexikanische Gesellschaft ist es wichtig, auf globaler Ebene Solidarität zu zeigen. Österreich ist jetzt das Zentrum der Aufmerksamkeit im Fall Ayotzinapa und wir wollen diese Tatsache nutzen, um die Öffentlichkeit über die vielschichtigen Menschenrechtsverletzungen, die in Mexiko zur Alltäglichkeit geworden sind, aufzuklären,“  so die österreichische Aktivistin Paula Windtner.

Nächste Kundgebung in Österreich: 17. November 12 Uhr, Innsbruck (genauer Ort wird noch bekannt gegeben)

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